Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Containerplätze sind faszinierende Orte. Offiziell dienen sie der Mülltrennung – inoffiziell sind sie eher eine Art urbanes Experiment zur Frage: Wie kreativ kann der Mensch werden, wenn er eigentlich nur eine leere Flasche entsorgen wollte?
Da steht er also, der Glascontainer, geschniegelt und gestriegelt, fein säuberlich beschriftet nach Weiß-, Braun- und Grünglas. Ein System, so klar strukturiert, dass man fast glauben könnte, es funktioniert. Und dann kommen Menschen mit Decken, Teppichen und mehr. Diese müssen ja schließlich entsorgt werden, auch wenn der Containerplatz der falsche Ort ist.
Neben dem Container türmen sich liebevoll arrangierte Sperrmüll-Installationen: ein Teppich mit Vergangenheit, Kissen und Decken und auch Altkleider. Es ist, als hätten sich die Dinge dort verabredet, um gemeinsam ein neues Leben als moderne Kunst zu beginnen.
Und natürlich darf die Krönung nicht fehlen: der klassische Beutel mit Müll auf dem Weg zum Container. Warum an richtiger Stelle entsorgen, wenn man ihn auch dekorativ in die Umwelt werfen kann? Vielleicht, weil ein Mülleimer schon voll ist. Vielleicht aber auch, weil man der Meinung ist, dass Müll frische Luft braucht.
So wird aus einem simplen Containerplatz ein lebendiges Zeugnis menschlicher Eigenwilligkeit – ein Ort, an dem Ordnungsideale auf kreative Realität treffen. Und irgendwo, ganz leise, weint die Natur ein Mülltrennungskonzept.
Bürgermeister
Karl-Josef Scheer
